Wie trennt man Kupfer und Kunststoff?
Durch Zerkleinern und Sortieren nach Gewicht. Solange Kupfer und Isolierung als Kabel verbunden sind, lassen sie sich nicht sauber trennen. Zerschneidet man das Kabel aber in kleine Körner, liegen Kupfer und Kunststoff als einzelne Teilchen nebeneinander – und die lassen sich sortieren.
Das ist der Kern jeder Kabelgranulieranlage, auch unserer. Kein Feuer, keine Chemikalien, kein Schmelzen: Das Kupfer verlässt die Anlage in genau der Form, in der es im Kabel steckte – nur klein geschnitten.
Welche Schritte durchläuft ein Kabel?
In unserer Anlage fünf, vom Haufen auf dem Hof bis zum vollen Big-Bag:
- 01
Annahme und Vorsortierung
Der Kabelschrott wird gewogen und nach Sorten getrennt. Fremdteile wie Stecker und Schellen kommen hier heraus.
- 02
Vorzerkleinern
Bunde und lange Stücke werden auf eine Größe gebrochen, die der Granulator verarbeiten kann.
- 03
Granulieren
Ein Schneidwerk zerlegt das Kabel in kleine Körner. Der Siebkorb darunter bestimmt, wie fein.
- 04
Trennen
Auf dem schwingenden Trenntisch laufen das schwere Kupfer und der leichte Kunststoff in unterschiedliche Richtungen.
- 05
Abfüllen
Kupfergranulat und Kunststoff werden getrennt gewogen und in Big-Bags abgefüllt.
Wie die einzelnen Bauteile aussehen und zusammenspielen, zeigt die Seite So arbeitet unsere Anlage.
Was passiert auf dem Trenntisch?
Er sortiert das Granulat nach Dichte. Der Tisch ist leicht geneigt und schwingt. Die schweren Kupferkörner wandern dabei in eine Richtung, die leichten Kunststoffkörner in die andere – am Ende laufen beide an unterschiedlichen Stellen ab.
Warum die Trennung funktioniert
- Kupfer hat eine Dichte von rund 8,9 Gramm je Kubikzentimeter.
- Kabelkunststoffe wie PVC und Polyethylen liegen bei knapp 1 bis etwa 1,5 Gramm je Kubikzentimeter.
Ein Kupferkorn ist also ein Vielfaches schwerer als ein gleich großes Kunststoffkorn. Diesen Unterschied nutzt der Trenntisch.
Wie sauber das klappt, hängt auch an der Korngröße. Ist das Granulat zu grob, hängen Kupfer und Kunststoff noch aneinander; ist es zu fein, entsteht Staub, der den Unterschied verwischt. Deshalb wird der Siebkorb des Granulators zur Kabelsorte passend gewählt.
Was wird aus Kupfergranulat und Kunststoff?
Kupfergranulat geht an Hütten und Halbzeugwerke. Dort wird es zu Draht, Blech oder Rohr weiterverarbeitet und ersetzt Kupfer, das sonst aus Erz gewonnen werden müsste. Kupfer verliert dabei nichts an Qualität: Recyceltes Kupfer ist von primärem chemisch nicht zu unterscheiden und lässt sich beliebig oft wiederverwerten.
Die Kunststofffraktion aus Isolierung und Mantel wird ebenfalls getrennt abgefüllt und geht als eigener Stoffstrom an einen Verwerter. Was als Kabel in die Anlage kommt, verlässt sie also als zwei verwertbare Fraktionen.
Warum ist Kabelrecycling besser als neues Kupfer?
Weil es deutlich weniger Energie und CO₂ braucht. Für eine Tonne Kupfer aus Erz entstehen nach Angaben des Kupferverbands rund 5,5 Tonnen CO₂, für eine Tonne aus dem Recycling rund 2,0 Tonnen. Dazu muss für Kupfer aus Erz eine große Menge Gestein bewegt werden – heutiges Erz enthält nur noch wenig Kupfer.
Ein Kabel ist dagegen ein schon abgebautes Rohstofflager. Mehr dazu und ein Rechner für Ihre eigene Menge stehen auf der Seite Der Umwelt zuliebe. Und warum Abbrennen kein Recycling ist, steht unter Darf man Kabel verbrennen?
Wann das nicht gilt
- Aluminiumkabel laufen nicht mit Kupferkabeln zusammen durch die Anlage – bitte getrennt halten.
- Kabel mit Bleimantel, Ölfüllung oder teerhaltiger Umwicklung bewerten wir einzeln, bevor sie verarbeitet werden.
- Die CO₂-Werte sind Durchschnittswerte für Kupfer insgesamt, keine Messung an einer einzelnen Anlage.