Was versteht man unter Schälkabel?
Ein Kabel mit einem einzigen, großen Kupferleiter und einem Mantel, der sich am Stück abziehen – eben „schälen“ – lässt. Typisch sind Einleiter-Starkstromkabel wie NYY-O mit Querschnitten von 120 bis 400 Quadratmillimetern.
Der Name kommt aus der Praxis: Bei so dicken Leitern lohnt es sich, den Mantel längs aufzuschneiden und abzuziehen, weil darunter fast nur Kupfer liegt. Im Handel wird der Begriff allerdings nicht ganz einheitlich verwendet – manche zählen auch dicke Mehrleiterkabel dazu. Wir meinen damit die dicken Einleiter; alles andere ordnen wir als eigene Sorte ein.
Woran erkennt man Schälkabel?
Am Schnitt: ein Leiter, kaum Kunststoff drumherum. Schälkabel sind armdick, schwer und steif. Der Leiter ist entweder massiv oder aus vielen dicken Drähten verseilt; dazwischen gibt es keine Füllmasse und keine weiteren Adern.
| Kabel | Typisch | So sieht der Schnitt aus | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Schälkabel | NYY-O 1×120 bis 1×400 | ein großer Kupferleiter, dünner Mantel drumherum | sehr hoch |
| Mehrleiter-Erdkabel | NYY-J 4×…, 5×… | mehrere Adern mit Füllmasse dazwischen | mittel bis hoch |
| Mittelspannungskabel | N2XSY, N2XS2Y | ein Leiter, aber dicke Isolierung und Drahtschirm | deutlich niedriger |
| Aluminium-Einleiter | NA2XY, NAYY-O | wie Schälkabel, aber silbriger Leiter | kein Kupfer |
Grobe Einordnung ohne Prozentangaben. Den genauen Kilopreis nennen wir im Angebot.
Die Typbezeichnung steht meist auf dem Mantel, etwa „NYY-O 1x240 RM“. Die Zahl hinter dem „1x“ ist der Querschnitt in Quadratmillimetern – je größer, desto günstiger das Verhältnis von Kupfer zu Kunststoff.
Wo fällt Schälkabel an?
Überall dort, wo große Ströme fließen: zwischen Transformator und Niederspannungs-Hauptverteilung, an Einspeisungen von Gewerbe- und Industriebetrieben, in Trafostationen und bei großen Maschinenanschlüssen.
Entsprechend kommt Schälkabel meist beim Rückbau oder bei der Erneuerung solcher Anlagen heraus – oft in überschaubarer Stückzahl, aber mit viel Gewicht. Elektrobetriebe haben es außerdem als Verschnitt von Trommelresten. Wer im Industrie- oder Rückbau-Umfeld arbeitet, hat es häufiger auf dem Tisch, als man denkt.
Was ist kein Schälkabel?
Drei Kabel werden oft mit Schälkabel verwechselt – und bringen deutlich weniger.
- Mittelspannungskabel (z. B. N2XSY). Ebenfalls ein Einleiter, aber für 10 oder 20 Kilovolt gebaut: Um den Leiter liegt eine dicke Isolierung aus vernetztem Polyethylen und ein Schirm aus Kupferdrähten. Der Kunststoffanteil ist viel höher – das ist eine eigene Sorte.
- Aluminium-Einleiter (z. B. NA2XY). Von außen kaum zu unterscheiden, aber der Leiter ist silbrig und das Kabel auffällig leicht. Das „A“ nach dem „N“ verrät es. Kein Kupfer, bitte getrennt halten.
- Dicke Mehrleiterkabel (z. B. NYY-J 4x95). Viel Kupfer, aber verteilt auf mehrere Adern mit Isolierung und Füllmasse dazwischen. Gehört zu den Stromkabeln, mehr dazu unter Erdkabel verkaufen.
Warum sollte man Schälkabel getrennt sammeln?
Weil es die beste Sorte ist, die regelmäßig anfällt – und im Mischhaufen nicht mehr als solche auffällt. Liegen ein paar Meter Schälkabel zwischen dünnen Installationsleitungen, müssen sie erst wieder heraussortiert werden.
Gemischtes Material sortieren wir zwar selbst und bewerten jede Sorte einzeln. Sauber getrennt angeliefertes Schälkabel lässt sich aber sofort einordnen und wiegen. Am einfachsten: ein eigener Platz oder eine eigene Gitterbox nur für die dicken Einleiter. Und den Mantel dran lassen – Abziehen müssen Sie nichts, siehe Lohnt sich Kabel abisolieren?
Wann das nicht gilt
- Aluminium-Einleiter (NA2XY, NAYY-O) enthalten kein Kupfer – für sie gilt diese Einordnung nicht.
- Mittelspannungs- und Hochspannungskabel bewerten wir als eigene Sorte, auch wenn sie nur einen Leiter haben.
- Alte Einleiter mit Bleimantel oder getränkter Papierisolierung bewerten wir einzeln – schicken Sie vorher ein Foto.