Was ist der Unterschied zwischen Schälkabel und Litze?
Der Unterschied liegt im Leiter: Schälkabel hat einen einzigen dicken Leiter, eine Litze besteht aus vielen feinen Einzeldrähten. Alles andere – Biegsamkeit, Mantel, Kupfergehalt, Preis – folgt daraus.
A
Schälkabel
NYY-O 1x240 RM · Einleiter
- Leiter
- einer, dick – massiv oder aus wenigen dicken Drähten
- Adern
- eine
- Biegen
- steif, federt zurück
- Kupfer je kg
- sehr hoch
B
Litzenleitung
H07RN-F 4G25 · Gummischlauch
- Leiter
- je Ader viele feine Einzeldrähte
- Adern
- meist drei bis fünf, einzeln isoliert
- Biegen
- weich, rollt sich wie ein Schlauch
- Kupfer je kg
- mittel bis hoch
Beide Querschnitte im selben Maßstab gezeichnet: So viel Fläche nimmt das Kupfer bei gleichem Außendurchmesser ein.
Fachlich unterscheidet die Norm DIN EN 60228 vier Leiterklassen: Klasse 1 ist eindrähtig (massiv), Klasse 2 mehrdrähtig, also aus wenigen dicken Drähten verseilt, die Klassen 5 und 6 sind fein- und feinstdrähtig. Nur die beiden letzten sind Litze im eigentlichen Sinn. Schälkabel haben Leiter der Klasse 1 oder 2 – ein Einleiter mit „RM“ auf dem Mantel ist also verseilt, aber keine Litze.
Litze steckt dort, wo ein Kabel bewegt wird: in Gummischlauchleitungen wie H07RN-F, in Verlängerungen, Maschinen- und Kranleitungen. Damit sie den täglichen Gebrauch übersteht, hat sie mehrere einzeln isolierte Adern und einen dicken Gummimantel. Schälkabel dagegen wird einmal verlegt und bleibt liegen – es braucht wenig Schutz und kann viel Kupfer auf wenig Kunststoff tragen. Mehr zur Sorte selbst steht unter Was ist Schälkabel?
Warum bringt Schälkabel mehr als Litze?
Weil in einem Kilogramm Schälkabel mehr Kupfer und weniger Kunststoff steckt. Bezahlt wird beim Kabelankauf das Kupfer, das am Ende herauskommt – Mantel und Isolierung wiegen mit, bringen aber nichts.
Bei einem dicken Einleiter wächst der Kupferquerschnitt mit dem Quadrat des Durchmessers, der Mantel aber kaum. Eine Litzenleitung hat dagegen gleich mehrere Isolierschichten: um jede Ader eine und außen einen Gummimantel, der für Baustelle und Maschinenbetrieb dick sein muss. Je dünner die Leitung, desto größer wird dieser Kunststoffanteil.
| Merkmal | Schälkabel | Litzenleitung |
|---|---|---|
| Leiter | massiv („RE“) oder aus wenigen dicken Drähten verseilt („RM“) | feindrähtig, Hunderte dünne Drähte je Ader |
| Mantel | dünn im Verhältnis zum Leiter, meist PVC | dick, meist Gummi, dazu jede Ader einzeln isoliert |
| Aufdruck | „1x“ und großer Querschnitt, etwa 1x150 oder 1x240 | „-F“ für flexibel, etwa H07RN-F 3G2,5 oder 5G16 |
| Kommt aus | Trafostationen, Einspeisungen, Hauptverteilungen | Baustrom, Maschinenanschlüsse, Veranstaltungstechnik |
| Kupfer je kg | sehr hoch | mittel bis hoch |
| Abisolieren | nur in Ausnahmefällen | lohnt sich praktisch nie |
Grobe Einordnung ohne Prozentangaben. Den genauen Kilopreis je Sorte nennen wir im Angebot.
Die Spanne innerhalb der Litzenleitungen ist groß: Eine dicke 4G70 kommt dem Schälkabel nahe, eine dünne 3G1,5 liegt weit darunter. Wo Ihr Material in unserer Monatsspanne von 3,10 € bis 6,10 € je Kilogramm liegt (Stand 06.10.2026), steht im Angebot – Genaueres zur Berechnung auf der Seite Kabelpreise.
Wie erkennt man Schälkabel und Litze?
Mit drei Handgriffen: Schnitt ansehen, biegen, Aufdruck lesen. Aufschneiden müssen Sie dafür nichts – ein Kabelende reicht.
- 01
Schnitt ansehen
Ein großer Kupferkreis in der Mitte: Schälkabel. Mehrere Adern, jede wie ein Bündel Haare: Litzenleitung. Auch verseilte Schälkabel zeigen Einzeldrähte – aber nur wenige, dicke, fest ineinander gepresst.
- 02
Biegen
Schälkabel lässt sich von Hand kaum biegen und federt zurück. Eine Litzenleitung gleicher Dicke hängt schlaff durch und lässt sich aufrollen wie ein Gartenschlauch.
- 03
Aufdruck lesen
„1x240“ heißt: ein Leiter mit 240 Quadratmillimetern. Ein „-F“ in der Typbezeichnung steht für eine flexible, feindrähtige Leitung, das „G“ in „4G25“ für einen grün-gelben Schutzleiter.
Vorsicht bei zwei Doppelgängern: Ein Aluminium-Einleiter wie NA2XY sieht aus wie Schälkabel, ist aber leicht und silbrig – kein Kupfer. Und Schweißleitungen sind Einleiter aus feinster Litze: dick wie ein Schälkabel, biegsam wie eine Litzenleitung. Beide ordnen wir als eigene Sorte ein.
Was ist blanke Kupferlitze – und was ist Millberry?
Blanke Kupferlitze ist abisolierter, feindrähtiger Kupferleiter – also kein Kabel mehr, sondern Metall. Wer im Altmetallhandel „Litze“ liest, meint oft genau das und nicht das Litzenkabel mit Mantel.
„Millberry“ ist die internationale Handelsbezeichnung für blanken, sauberen Kupferdraht: ohne Lack, ohne Verzinnung, ohne Isolierreste und ohne Anlaufen. Es ist die oberste Sorte für Kupferdraht. Blanke Litze aus feinen Drähten wird meist darunter eingeordnet: Feine Drähte sind häufig verzinnt, laufen schneller an und halten Reste der Isolierung fest.
Für den Kabelankauf heißt das: Wer eine Litzenleitung abisoliert, macht aus einem Kabel mit gutem Kupfergehalt eine Metallsorte, die nicht automatisch den Spitzenpreis bringt. Beim massiven Leiter eines Schälkabels ist die Aussicht auf Millberry besser – aber nur, wenn er blank, unverzinnt und sauber bleibt.
Wann lohnt sich Abisolieren – und wann nicht?
Bei Litzenleitungen praktisch nie, bei Schälkabel nur in Ausnahmefällen. In beiden Fällen ist die Arbeit teurer als der Mehrerlös, sobald man die eigene Zeit mitrechnet.
- Litzenleitung: mehrere Adern, jede einzeln isoliert, der Gummi haftet, die feinen Drähte fransen aus. Viel Arbeit je Meter für wenig Kupfer – und heraus kommt blanke Litze, nicht Millberry.
- Schälkabel: technisch gut machbar, der Mantel lässt sich längs aufschneiden und abziehen. Weil der Kupfergehalt aber ohnehin hoch ist, liegt schon der Kilopreis mit Mantel weit oben. Rechnen kann es sich nur, wenn große Querschnitte in Mengen anfallen und eine Schälmaschine vorhanden ist. Mit dem Messer von Hand ist es vor allem eine Verletzungsgefahr.
- Niemals abbrennen. Das ist verboten, setzt giftige Gase frei und macht aus blankem Kupfer angelaufenes – mehr unter Darf man Kabel verbrennen?
Wir kaufen Schälkabel und Litzenleitungen mit Isolierung an und trennen Kupfer und Kunststoff selbst, in unserer eigenen Granulieranlage. Was sich für Sie lohnt, ist etwas anderes: beide Sorten getrennt sammeln und Stecker, Kupplungen und Schellen abschneiden. Die ausführliche Rechnung steht unter Lohnt sich Kabel abisolieren?
Wann das nicht gilt
- Aluminiumkabel (NA2XY, NAYY) enthalten kein Kupfer – für sie gilt dieser Vergleich nicht. Bitte getrennt halten.
- Schweißleitungen und andere feindrähtige Einleiter liegen zwischen beiden Sorten. Wir bewerten sie nach Foto.
- Blankes Kupfer ohne Isolierung – Millberry oder blanke Litze – ist kein Kabelschrott. Ob und wie wir es übernehmen, klären wir im Einzelfall.
- Mittelspannungskabel haben zwar nur einen Leiter, aber viel Isolierung. Sie sind eine eigene Sorte, kein Schälkabel.